Friederike Gräfin von Reden

Caroline Riedesel Freiin zu Eisenbach

 

 

 

Graf von Reden

Stich nach einer Zeichnung von

Caroline Riedesel Freiin zu Eisenbach, 1815

 

 

 

 

 

Idis B. Hartmann, Oldenburg

 

Die Besitzer von Buchwald:

 

Friedrich Wilhelm Graf von Reden

und

Friederike Gräfin von Reden

 

Ende 1785 unterzeichnete Friedrich Wilhelm von Reden den Kaufvertrag für das Gut Buchwald mit Quirl, Pfaffengrund und Drehaus. Mitverkauft wurden „Hammer und Eisenerz auf dem Berge, da es von alters her genommen und zu dem Hammer geführt worden". Reden musste 65.000 Rtl. und 100 Dukaten Schlüsselgeld unter Übernahme von 52.000 Rtl. Hypotheken zahlen.[1]

 

Friedrich Wilhelm von Reden war zu diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt (1752 in Hameln geboren), Kammerherr, Oberbergrat und Direktor des Oberbergamtes in Breslau. Er hatte eine Berglehre bei seinem Onkel, Claus Friedrich von Reden, der dem Erzbergbau des Oberharzes vorstand, absolviert, studierte in Göttingen und Halle Naturwissenschaften und Jura und legte im Alter von 21 Jahren das erste, 1774 das zweite Staatsexamen für den höheren Verwaltungsdienst ab. Auf der für einen jungen Mann von Stand üblichen Studienreise durch Belgien, Holland und Frankreich traf er mit seinem Onkel, Freiherrn Friedrich Anton von Heynitz zusammen, der seit 1763 die Leitung des Bergbauwesens in Sachsen innehatte. Mit diesem besichtigte er in England die neuesten Industrieanlagen, Bergbauunternehmen und Hütten. Darüber hinaus war Reden tief beeindruckt von dem kultivierten gesellschaftlichen Leben in England, von den Entwicklungen in Architektur und Kunst und von den englischen Gärten. Bei dem anschließenden Aufenthalt in Paris studierte er Nationalökonomie und wurde dem französischen Hof vorgestellt. Nach kurzer Tätigkeit in der Kammer in Hannover holte Heynitz, inzwischen Minister und Leiter des preußischen Bergwerks- und Hüttendepartements, den Neffen nach Preußen. Reden wurde zum Kammerherrn ernannt und ihm 1778 die Leitung des Oberbergamts in Breslau übertragen.

 

Der Bergwerks- und Hüttenbetrieb konzentrierte sich zu dieser Zeit im mittelschlesischen Raum. In Betrieb waren 21 Steinkohlengruben im Waldenburger Bergland, 6 im Glatzer/Neuroder Gebiet, 3 Kobalterz-Gruben bei Querbach und Giehren, 1 Schwefelkieswerk in Schreiberhau, 1 Kupfer- und Arsenik-Bergwerk bei Kupferberg, 2 Bleierz-Bergwerke im Waldenburger Bereich und in der Grafschaft Glatz und 1 Arsenik-Bergwerk bei Reichenstein.[2] In diesen Bergwerken und Gruben wurden 375 Arbeiter beschäftigt. In Oberschlesien baute man Erz auf den diversen Gütern ab, allerdings ohne nennenswerte gesamtwirtschaftliche Relevanz.

 

Sofort nach Dienstantritt traf Reden Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Tarnowitzer Blei- und Silberabbaus. Am 12. November 1781 legte er König Friedrich II., der großes Interesse an der Wiederbelebung des Bergbaus in Schlesien hatte, einen Entwicklungsplan vor. Er verwies auf die reichen Erzvorkommen in Oberschlesien und beantragte 267.500 Rtl. für die längerfristige Umsetzung des Plans und 147.420 Rtl. für kurzfristig einzuleitende Vorhaben, und zwar für die Aufnahme des Tarnowitzer Erzabbaus, für Schwefel- und Vitriolwerke im Riesengebirge, für den Zinnbergbau, den Kupferbergbau bei Kupferberg, die Goldgewinnung in Goldberg, die Anlage eines Holzkohlen-Hochofens, zweier Hämmer, außerdem 31.920 Rtl. für die Gewinnung und Ansiedlung fremder Berg- und Hüttenleute, denn es herrschte in Schlesien, besonders in Oberschlesien, ein ausgesprochener Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

 

Da Reden kaum zu hoffen wagte, für das Vorhaben entsprechende Summen bewilligt zu bekommen, gründete er eine Aktiengesellschaft zur Wiederbelebung des schlesischen Bergbaus, an der der Staat zu 50% beteiligt war und trieb einen Vergleich mit Graf Henckel von Donnersmarck voran, um gegen Zusicherung des „Zwanzigsten" das Recht auf den Bleierzabbau in Tarnowitz zu erwerben.

 

Im April 1782 verlängerte Minister Heynitz Redens Vertrag als Direktor des schlesischen Oberbergamtes um weitere zwei Jahre, gewährte einen höheren Provisionsanteil an dem Eisen- und Blaufarbenhandel und die Unterhaltung von zwei Reitpferden.

 

Friedrich Wilhelm von Reden war nicht nur ein Verwaltungsmann, sondern vor allem ein äußerst erfahrener Geologe und Bergmann. Unermüdlich reiste er von Grube zu Grube, von Bergwerk zu Bergwerk, und scheute sich nicht, alle Arbeiten untertage zu leiten und zu überwachen. Er legte die häufigen Dienstreisen bei Wind und Wetter auf den vor allem in Oberschlesien unsagbar schlechten Wegen zu Pferd zurück, obwohl er nicht kräftig war und zeitlebens unter Schlaflosigkeit, Magengeschwüren und schwerer Migräne litt. Im Frühjahr 1783 wurde er bei einem Duell so erheblich am Arm verletzt, dass er befürchten musste, dass der rechte Arm steif bleiben würde. Dies hätte das Ende der Arbeit untertage und damit seiner Karriere bedeutet. Aber selbst diese Verletzung konnte Redens Aktivitäten nicht hemmen. Im Herbst des Jahres erwarb er Schloß Fischbach und Neudorf im Hirschberger Tal.

 

Im Juni 1783 genehmigte der König die Redenschen Planungen und die nötigen Haushaltsmittel. Reden trieb die Erschließung der Grube im oberschlesischen Tarnowitz entschlossen voran. Er holte Bergleute aus dem Harz und aus dem Mansfeldischen, ließ Siedlungen errichten und war unermüdlich vor Ort tätig. Am 16. Juli 1784 morgens fünf Uhr, als Reden auf den RudolphineSchacht zuritt, in Sorge, dass er in der bewilligten Zeit nicht fündig werde, brachte ihm Steiger Zinke eine blinkende Stufe Silbererz. Reden war erleichtert. An Heynitz schrieb er: „Ich leugne es nicht, dass ich meinen Tränen freien Lauf ließ und niederkniete, und Gott für seine Gaben zu danken".[3] Seitdem wurde die Eröffnung der Friedrichsgrube jährlich mit einem Festgottesdienst gefeiert, denn damit wurde der Grundstein für die Montanregion Oberschlesien gelegt.

 

Dennoch hätte Reden nach der Eröffnung der Friedrichsgrube fast den Dienst quittiert. Er wollte die Grube als Staatsbetrieb führen, der Minister plädierte für eine privatwirtschaftliche Lösung. Mit seiner Hartnäckigkeit setzte Reden sich durch. Damit brachte er dem preußischen Staat eine gut sprudelnde Einnahmequelle. Die Mächtigkeit des bei Tarnowitz gefundenen Erzgesteins versetzte alle Welt in Erstaunen. Allerdings war der Wasserhaushalt ein großes Problem. Mit den traditionellen „Rosskünsten" ließ es sich kaum lösen. Daher überzeugte Reden seinen Onkel und Chef, dass die Beschaffung einer Dampfmaschine unerlässlich sei. Er argumentierte ökonomisch: Die Wasserhaltung mit Pferdekraft kostet 14.000 Rtl., mit Dampfkraft nur 3.700 Rtl.

 

Kritik an Redens Geschäftsführung, die Anspannung und Arbeitsbelastung führten im August 1785 in Fischbach zu einem Zusammenbruch. Der erst 33jährige litt unter hohem Fieber, Bluterbrechen und Schlaflosigkeit und war dem Tode nahe. Der Onkel, sehr um Reden besorgt, versprach ihm eine „Feuermaschine".[4] Im November 1786 wurde der Geheime Oberbergrat Freiherr vom Stein nach England gesandt, um die neue Maschine bei der Firma Boulton in Soho bei Birmingham zu kaufen. Reden schleppte sich nach Tarnowitz, dirigierte die Arbeiten vom Bett aus, was zu einem schweren Rückfall führte. In Friedrichshütte richtete er eine Steinkohlengrube ein.

 

Im August 1786 kam Minister Heynitz zur Inspektionsreise nach Schlesien. Am 17. August 1786 starb König Friedrich II. Am 10. Oktober traf der Minister mit dem neuen König Friedrich Wilhelm II. in Breslau zusammen und überreichte ihm den Bericht der Inspektionsreise. Für Reden war das wichtigste Ergebnis dieser Reise, dass Heynitz die Wiederherstellung des Gotthelfs-Stollen genehmigte, weil die Arbeiten während Redens Krankheit auf Befehl des Ministers eingestellt worden waren.

 

Sofort nach dem Regierungsantritt des Königs wurde Kammerherrn von Reden die Grafenwürde verliehen „als Anerkennung seiner großen Verdienste um die Wiederbelebung des Bergbaus in Schlesien". Er wurde zudem zum Geheimen Finanzrat ernannt und als Direktor des schlesischen Oberbergamtes bestätigt. 1787 kaufte er die umfangreiche Herrschaft Nieder-Schwedeldorf in der Grafschaft Glatz.[5] Neudorf und Fischbach stieß er ab, Fischbach 1789 an Minister Hoym.

 

In Tarnowitz brannte die Friedrichshütte ab, einige Schächte ersoffen, aber Reden ließ sich nicht bremsen. Nach schwierigem Transport, bis Oppeln auf dem Wasserweg, wurde am 4. April 1788 die „Feuermaschine", die erste auf dem Kontinent, von Graf von Reden und Freiherrn vom Stein in Gang gesetzt. Bald fanden sich Besucher aus ganz Europa ein, um dieses Wunderwerk der Technik zu besichtigen. Am 28. August 1788 kam König Friedrich Wilhelm II. auf seiner dritten schlesischen Reise nach Tarnowitz. Reden verstand es, dem Besuch einen würdigen und feierlichen Rahmen zu verleihen mit dem illuminierten Abrahmsschacht und einem Ball im Kohlenmagazin. Noch überwältigt von der gut verlaufenen Königsvisite schrieb Reden ein „Pro Memoria über die gegenwärtige Lage des Tarnowitzer Blei- und Silberbergbaus". Er wollte nämlich Geld zum Ankauf von Wäldern, für ein Amts- und Kassenhaus in Tarnowitz, für eine weitere „Feuermaschine" und für die Anlage eines weiteren Stollens.

 

Mit Minister Heynitz kam Reden überein, nach England zu fahren, um dort die neuesten Entwicklungen in der Bergbau- und Maschinentechnologie zu studieren. Im April 1789 erreichte er London. Reden genoss in den besten Gesellschaftskreisen das pulsierende kulturelle und gesellschaftliche Leben in England und vergaß dabei nicht den Zweck der Reise. Er besichtigte Industrieanlagen von Hochöfen, Feuermaschinen, Eisen- und Kanonengießereien, Kupferwerke, Porzellanmanufakturen wie Wedgewood, Glashütten, Kohlengruben bis zu Land- und Wasserstraßen. Im Mai 1790 trat er von London die Rückreise an. Er blieb vier Wochen in Paris und traf dort auch mit der französischen Königin Marie Antoinette zusammen. Im Juni 1790 war Reden wieder in Berlin. Er hatte nicht nur Eindrücke gesammelt, sondern kam auch mit mehreren Kisten Schmuck, Medaillen, Ziergegenständen aus Eisenguss[6], Porzellan und Gartenbüchern zurück und mit Ideen zur Umgestaltung von Buchwald, die er mit seinem Gärtner Walter und mit dem Baumeister Josef Raabe umsetzte, oft die Pläne selbst entwarf und korrigierte. Er eilte sofort nach Schlesien, denn in seiner mehr als einjährigen Abwesenheit hatte es große Schwierigkeiten mit der Wasserhaltung gegeben.

 

Am 16. August 1790 speiste Johann Wolfgang von Goethe bei Graf von Reden in seiner Dienstwohnung in der Taschenstraße in Breslau. Beide verstanden sich sofort, Goethe noch erfüllt von den Erlebnissen seiner italienischen Reise, Reden von der Englandreise, und so war es nicht verwunderlich, dass Goethe als zuständiger Bergbauminister den Wunsch hatte, mit seinem Herzog die Friedrichsgrube mit der neuen „Feuermaschine" zu besichtigen. Dies geschah am 4. September 1790. Es schloss sich eine Reise nach Krakau, Tschenstochau, Malapane und zu anderen oberschlesischen Hütten an, auf der Reden ihr Führer und Begleiter war „An Reden [...] haben wir einen sehr guten Gesellschafter gehabt"[7], so schrieb Goethe über diese Tage. Allein reiste er dann ins Riesengebirge zur Besichtigung der dortigen Berg- und Hüttenwerke.

 

Graf von Reden ging ab 1790 dazu über, Dampfmaschinen im Eigenbau fertigen zu lassen. In der Hütte von Malapane wurde 1794 die erste, vielbestaunte gusseiserne Brücke über das Striegauer Wasser mit einer Spannweite von 12,55 m gegossen. Auch die Themse-Brücke im Wörlitzer Park und die Brücke über den Kupfergraben in Berlin entstanden in Malapane.

 

Da sich bald herausstellte, dass die Friedrichsgrube eine nachhaltige Gewinnung von Eisenerz versprach, ließ Reden die Anlage durch die Friedrichshütte komplettieren. Am 27. Mai 1786 wurde der Grundstein dafür gelegt, noch im gleichen Jahr der Schmelzofen in Betrieb genommen. Mit der Friedrichshütte konnte der gesamte Bedarf an Blei des Königreichs Preußen gedeckt und dazu ein beträchtlicher Überschuss exportiert werden. Als Nebenprodukt fielen pro Jahr etwa 1.000 Pfund Silber ab. Zur Brennstoffversorgung der Hütte wurde ein Steinkohlenbetrieb errichtet, der die Bevölkerung bis nach Berlin mit billiger Steinkohle versorgte.

 

Das Interesse Redens galt also nicht nur dem Erzabbau, sondern ebenso dem Steinkohlenabbau und der daraus resultierenden Koksgewinnung. Er ließ Probeschürfungen machen. Seine Vermutung, dass bei Zabrze mächtige Steinkohlenflöze lagen, bestätigte sich. Nach Aufstellen einer Dampfmaschine konnte 1791 der Betrieb in der Grube (ab 1811 „Königin-Luise-Grube") aufgenommen werden. Zum Transport der Kohle zur Hochofenanlage bei Gleiwitz wurde der Zabrzer Kanal und ein unterirdischer, schiffbarer Stollen, der „Erbstollen", angelegt, der 1810 bis Königshütte verlängert wurde. Die 1791 eröffnete Königsgrube brachte große Erträge.

 

Reden blieb bis Februar 1791 in Tarnowitz und war dann bis Juni in Berlin, um seinen Onkel zu entlasten, machte noch einige außerschlesische Dienstreisen und war im Juli in Buchwald, das er umbaute und umgestaltete. Ihn hatte die englische „Parkomanie" ergriffen. Schloss Buchwald war ein älterer Bau aus dem 16. Jahrhundert, nach Art der Renaissance-Schlösser in Schlesien von einem Graben umgeben, im Kellergeschoss und im Erdgeschoss gewölbt und zur Zeit des Kaufes noch mit Malereien aus dem 17. Jahrhundert versehen.[8] Friedrich Wilhelm von Reden ließ das Schloss vollkommen umgestalten mit starken Anklängen an den Adams-Stil, besonders im Eigangsbereich, im Treppenhaus und im großen Saal mit den ungewöhnlichen weißen Türen und schuf eine sog. ornamented farm, d.h. einen Landsitz mit ausgedehntem Park und ertragreicher Landwirtschaft.[9] Friedrich Gentz, der 1797 in Buchwald war, schrieb: „Buchwald ist ohne allen Streit [...] der schönste Ort in Schlesien und einer der Schönsten der Welt."[10]

 

Im Oktober 1793 besuchte der König wiederum Tarnowitz, im November wurde der Gotthilfs-Stollen eingeweiht. Den Winter verbrachte Reden relativ ruhig in Breslau. Das Bergamt wurde ins ehemalige Lambergische Palais verlegt, und Reden war damit beschäftigt, seine neue Dienstwohnung nach englischen Geschmack auszustatten, sich den Wissenschaften, seiner Steinsammlung,[11] der Münzsammlung und seinen Bildern und Graphiken zu widmen. Im Garten ließ er eine Orangerie und ein Gartenhaus errichten und machte Experimente mit frühem Gemüse.

 

Nach Fertigstellung des Klodnitzkanals begann man mit der Anlage der Gleiwitzer Hütte. Mit der Aufstellung des ersten Kokshochofens auf dem Kontinent wurde am 21. September 1796 die glanzvolle Geschichte dieser königlichen Hütte eingeleitet. 1797 arbeiteten die ersten Flamm-, Tiegel- und Kupolöfen mit Steinkohle. Als Aufgaben der neuen Hütte wurden formuliert:

 

1. Vermehrte Erzeugung von Roheisen durch Anwendung von Koks und von Zylindergebläsen

2. Vervollkommnung der Gießerei zur Herstellung von Kanonen, Maschinen und großen Zylindern

3. Erbauung von Feuermaschinen jeglicher Größe

4. Errichtung von Kunstwerkstätten, um den Sinn für schöne Formen zu fördern.

 

Friedrich Wilhelm Holzhausen wurde der überragende Meister des Dampfmaschinenbaus. Von 1802-1827 baute er in Gleiwitz über 50 Dampfmaschinen. In den Kunstwerkstätten entstand ein Kunstgewerbe, das zum Interessantesten zählt, was das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat. Reden war der Motor dieser Produktion. Der Inhalt der von Reden aus England mitgebrachten Kisten war Anstoß und Vorbild, und Reden verstand es, mit seinem ausgeprägten Kunstsinn, eine Garde begabter Künstler[12] heranzuziehen, die den Eisenkunstguss zu einem bedeutenden Exportartikel werden ließen. 1804 beschickte die Gleiwitzer Gießerei erstmals die Berliner Akademie-Ausstellung.

 

Reden führte einen auf Schienen laufenden Wagen ein, schiffbare Stollen wurden gebaut, so der Fuchsstollen bei Altwasser, der, am 10. September 1794 eröffnet, auch zu einer touristischen Attraktion wurde.

 

Friedrich Wilhelm von Reden weilte ab der Mitte der 90er Jahre immer längere Zeit in Berlin, um seinen Onkel, Minister Heynitz zu entlasten. Am 19. April 1793 traf Graf von Reden bei der Geburtstagsfeier des Ministers von Massow dessen Nichte Friederike von Riedesel.[13] Er erinnerte sich, dass er sie als dreijähriges Kind in Portsmouth auf Knien geschaukelt hatte.[14] Einige Tage später begegneten sie sich in der Porzellanmanufaktur. Am 13. September 1797 sah Friederike erstmals Buchwald. Sie  war zu Besuch bei ihren Verwandten in Stonsdorf und schrieb später darüber: „[...] ich sah dann zum ersten Mal mein liebes Buchwald und mitt einem Gefühl von Bewunderung, Wohlsein, das ich kaum in dem Grade jemals empfunden hatte." „Später", so schrieb sie weiter, hätte Reden versichert: „[...]er habe an dem Tage [...] zuerst die Überzeugung davon getragen, wirklich etwas Gediegenes geschaffen zu haben,[15] und einen wahren Sporn gefühlt, fortzufahren und so viel er vermöge, etwas Vollendetes darzustellen". Sie berichtete weiter: „Die Einrichtung des großen Zimmers, schöne Kupferstiche, über die ich im Cabinet begierig herfiel, der wohl geordnete Tisch [...] die Promenade [...] nach einem im Bau befindlichen Schafstall, Überfahrt über den Großteich, die köstlichen Aus- und Ansichten, der Quell, der Altan [...] alles sprach mich an und es wurde mir beinah schwer zu scheiden [...] er wusste sehr wohl unseren schnellen Gang durch eine Wendung des Gesprächs zu stellen, dass die schönen Blicke uns auffallen mussten, dann wusste er uns noch zu überzeugen, wir hätten sie entdeckt, genoss sie mit uns, und das mit einer Ungezwungenheit, die den Genuss erhöhte."'[16] Friederike nutzte den Aufenthalt im Riesengebirge, um ihre botanische Sammlung um zweihundert neue Arten von Moosen und Pflanzen zu vervollständigen.[17]

 

Im April des nächsten Jahres führte Reden Friederike bei Minister Lenthe zu Tisch. Wenige Tage später gab Reden, als Friederike nach Steinhövel kam, Minister Massow dort Ratschläge zur Gartengestaltung. Graf Reden suchte immer wieder Gelegenheiten, um Friederike zu sehen.[18] Doch seine schlechte Gesundheit, sein, wie er meinte, zu hohes Alter von 46 Jahren ließ ihn zögern, der 24järigen seine Liebe zu offenbaren.

 

Am 16. November 1797 starb König Friedrich Wilhelm II. Das neue Königspaar konnte Friedrich Wilhelm von Reden im Juni 1798 in Tarnowitz begrüßen und im August 1800 im Hirschberger Tal. Sie bestiegen den Kynast. Die Königin soll ausgerufen haben: „Welch eine himmlische Gegend! Wenn doch Berlin hier unten läge“. Abends war das Königspaar in Buchwald. Am nächsten Tag ging es zur Schneekoppe. Königin Luise soll auf dem Gipfel mit gefalteten Händen gesagt haben: „Dieser Augenblick ist einer der seligsten meines Lebens; es war mir, wäre ich erhoben über die Erde, Gott näher“. Von Buchwald fuhr man am nächsten Tag nach Waldenburg. Reden hatte einen würdigen Empfang arrangiert mit 500 neuuniformierten Bergleuten, seinen Schwarzröcken. Man bestieg geschmückte Kähne. Es ging in den Fuchsstollen. Die Wasserstraße verlief tief unter der Erde, magisch beleuchtet von Grubenlampen. Von fern tönte das Lied der Kapelle. Plötzlich fuhr das Schiff in eine strahlend erleuchtete Grotte. Ein reiches, schön arrangiertes Frühstück erwartete die Gäste. Königin Luise war überwältigt. In Erinnerung an diese gelungene Befahrung des Fuchsstollens soll sie immer, wenn sie mit Reden zusammentraf, die eiserne Kette angelegt haben, die er ihr überreicht hatte zum Befestigen der Schutzkleidung.[19] Die Kette stammte aus der Gleiwitzer Gießerei, und so wurde die Mode kreiert, Eisenschmuck zu tragen.

 

Im Sommer 1801 unternahm Minister Heynitz seine siebte und letzte Dienstreise nach Schlesien. Er versuchte immer gezielter, seinen Neffen als Nachfolger im Amt zu empfehlen. Reden selbst blieb sehr zurückhaltend, fürchtete, man könnte ihm, der unter seinen Kollegen eine ganze Menge Feinde hatte, die seine unkonventionelle, unbürokratische Art nicht liebten, des Nepotismus bezichtigen. Reden stürzte sich mit noch größerer Intensität in die Arbeit. Sein Körper reagierte wieder mit Krankheit, mit Bluterbrechen, mit Migräne. Als es ihm besser ging, machte er in den ersten Apriltagen 1802 Friederike von Riedesel einen schriftlichen Heiratsantrag. Friederike nahm ihn an. Minister Heynitz war glücklich. Er hatte jahrelang versucht, seinem Neffen eine Frau zuzuführen, angefangen mit Antoinette von Hoym, die zu dem verhängnisvollen Duell Anlass gab, über Gräfin Schwerin, Hochberg, Einsiedeln, um nur einige zu nennen, erfolglos. Am 13. Mai 1802 rief Minister Heynitz Friederike zu sich und sagte: „Ich segne meine Nichte, möge sie die glückliche Gefährtin unseres guten Reden sein".[20] Zwei Tage später verstarb Friedrich Anton von Heynitz.

 

Allgemein wurde erwartet, dass Graf von Reden die Nachfolge als Bergbauminister antreten würde, aber durch Kabinettsordre verteilte der König die von Heynitz innegehabten Ressorts neu - angeblich, um den Staat zu verschlanken. Reden erhielt die interimistische Direktion des Bergwerks- und Hüttendepartements und der Porzellanmanufaktur in Berlin. Er war enttäuscht  und ließ das den König wissen. Daraufhin erfolgte am 17. Juli 1802 die Ernennung zum wirklichen Chef des Departements und zum Oberberghauptmann mit Sitz und Stimme im Kabinett und einer Besoldung von 7.000 Rtl., fast 2.000 Rtl. weniger als der verstorbene Onkel erhalten hatte. Reden sorgte sich vor allem um das Ansehen seines Departements in der bürokratischen Hierarchie. Eine seiner ersten Maßnahmen war, die Ausbildung der Berg- und Hüttenbeamten zu verbessern. Er schraubte die Eintrittsanforderungen zu der Bergakademie höher. Examina und schriftliche Ausarbeitungen wurden eingeführt und neben der „technischen" eine „geschäftliche" Ausbildung. Die Verlobungszeit war mit Arbeit in der neuen Stellung angefüllt. Dennoch fand Reden Zeit, lange Briefe an seine Friederike zu schreiben, vom 13. Juni bis 30. Juli 30 Briefe mit insgesamt 288 Seiten.

 

Ende Juli reiste Reden nach Schlesien, am 9. August 1802 heiratete Graf Friedrich Wilhelm von Reden Friederike Juliane von Riedesel auf der Riedeselschen Besitzung Trebschen in der Neumark, am 14. August hielt das Paar feierlichen Einzug in Buchwald. Eine anschließende Besichtigungsreise Redens nach Oberschlesien, die er mit seiner jungen Frau unternahm, gestaltete sich zu einem Triumphzug. Friederike von Reden verstand es, nicht nur die hohen Bergwerksbeamten, sondern vor allem das Volk zu begeistern, weil sie sich von Anfang an für die sozialen Belange der Arbeiterschaft einsetzte.[21]

 

Nach der Rückkehr aus Schlesien bezogen die Redens in Berlin eine Wohnung und möblierten sie geschmackvoll.[22] Dort versammelte sich das kulturell, wissenschaftlich und politisch tonangebende Preußen. Am 13. August 1803 wurde Friedrich Wilhelm Graf von Reden zum Minister ernannt, allerdings das Gehalt nicht erhöht.

 

Im Sommer 1804 richteten Überschwemmungen in Schlesien, auch in Buchwald, große Schäden an. Reden klagte nicht, sondern überraschte seine Frau mit dem „Pavillon“, der die Inschrift trug: „Coniugi dulcissime F.W. Comes Reden 1804“. Von der Säulenhalle hatte man den schönsten Blick auf die Schneekoppe.[23] Graf von Reden hatte mit diesem Pavillon[24] einen weiteren wichtigen Akzent in seinem englischen Park gesetzt, dem die Abtei, von Josef Raabe entworfen, vor 1808 folgen sollte.

 

1788 schlug Graf von Reden die Errichtung einer Eisengießerei in Berlin[25] vor. Das Projekt wurde 1803 vom König genehmigt. Reden holte sich seine Fachleute aus Oberschlesien, so dass zügig gebaut werden konnte. Zu seinem 53. Geburtstag, 1805, lud er in die Eisengießerei ein, in der 36 Arbeiter kleinere Stücke wie Möbelverzierungen und erste Medaillen[26] herstellten. Nachdem Maschinenteile, Erz und Kohle aus Schlesien auf dem Wasserweg eingetroffen waren, wurde 1806 die volle Produktion aufgenommen, in den ersten Jahren, bedingt durch den Krieg, vorwiegend Gussstücke für Maschinen, Bautenzubehör, Munition und Kanonen. Aber Reden hatte immer den hochwertigen Eisenkunstguss im Sinn. Obwohl Gleiwitz das Formenlager für Berlin blieb, spricht man heute von „fer de Berlin" und meint die Bijouteriewaren aus Eisenguss. Diese waren so begehrt, dass der französische Generalinspekteur Hérdon de Villefosse während der Besatzungszeit 749 Schmuckstücke als Muster für französische Eisengießereien requirierte.

 

Am 14. Oktober 1806 wurden die preußischen Truppen in der Schlacht von Jena und Auerstädt geschlagen. Am 24. Oktober besetzten die Franzosen Berlin. Napoleon zog ein. Die meisten Minister flohen mit dem König;     vier blieben, unter ihnen Graf von Reden. Sie versuchten, durch Weiterführung ihrer Geschäfte das Beste für den preußischen Staat und die preußische Bevölkerung zu erreichen. Reden sorgte dafür, dass die Arbeit in den Bergwerken und Hütten weiterlief, denn er war sich wohl bewusst, welchen Schaden ein Stillstand der Anlagen verursacht hätte. Friederike organisierte mit höchstem persönlichen Einsatz humanitäre Hilfe wie eine Suppenküche und Brotverteilung. Im März 1807 wurden täglich 6.000 Menschen gespeist. Sie duldete Einquartierung in ihrem Haus. Der ungeheure Stress warf den Grafen wieder aufs Krankenlager.

 

Mitte Juli drang die Nachricht vom Friedensschluss zu Tilsit nach Berlin. Reden fürchtete die Friedensbedingungen, erwartete hohe Reparationen. Erst am 5. September verließ er Berlin zu der jährlichen Inspektionsreise nach Schlesien. Kaum in Buchwald angekommen, erreichte ihn ein Schreiben des Königs, ein Entlassungsschreiben. Alle Minister und Beamten, die in Berlin geblieben waren und einen erzwungenen Eid geleistet hatten, wurden ohne Pension entlassen. Das traf Reden hart. Statt sich in seinem Elysium zu vergraben, wurde er zur grauen Eminenz im Befreiungskampf Preußens. Vor allem unterstützte er Freiherrn vom Stein. Schon am 22. September 1807 fand ein Treffen in Kunersdorf statt, auf dem sich eine Widerstandsbewegung in Schlesien konstituierte. Reden schien zu hoffen, dass er wie sein Freund vom Stein das Ministeramt erhalten würde. Selbst wenn er nicht immer mit den Auswirkungen der Steinschen Reformen einverstanden war – „Es hat Reden und mich betrübt, dass Minister Stein dies Proclama unterschrieben hat“[27] - wie die Aufhebung der Erbuntertänigkeit der Bauern, weil dies auf seinen Besitzungen zu beträchtlichen Einnahmeverlusten führte, und er zusätzlich belastet durch Zahlungen an die Besatzungsmacht und Einquartierung seinen Bauern nicht mehr die für ihn selbstverständliche Fürsorge angedeihen lassen konnte, so pflegte er immer den Diskurs mit Stein über dessen Reformmaßnahmen. Im Januar 1809 weilte vom Stein in Buchwald. Als er geächtet und auf der Flucht vor Napoleon war, verhalf Graf von Reden dem Freund über Buchwald nach Österreich. Reden organisierte am 14. September 1810 ein Geheimtreffen Steins mit Minister Hardenberg, und am 22. August 1812 machte Minister Hardenberg einen Besuch in Buchwald. Obwohl es den Anschein hatte, dass Reden nicht in die politischen Wirren und Händel seiner Tage verstrickt sein wollte, liefen manche Fäden in Buchwald zusammen.

 

Im August 1809 erlitt Graf von Reden schwere Verletzungen an beiden Beinen, als sein Wagen umkippte. Erst im Mai 1810 konnte er wieder ohne Krücken gehen, aber Gräfin Reden sorgte sich noch über einen anhaltenden Husten und sein Magerwerden.[28] Eine große Genugtuung war, dass ihn ein Schreiben des Königs vom 8. November 1810 erreichte, das lautete: „Mein lieber Staats Minister Graf von Reden! Ich habe beschlossen, wegen Eurer Verdienste um den Staat, besonders um das Berg- und Hüttenwesen, Euch die Insignien Meines Roten Adler Ordens erster Classe zu ertheilen, und übersende Euch daher solche anliegend als Euer wohlaffectionirter König“.[29]

 

Die Redens führten ein „stilles Landleben". Zum Geburtstag erhielt Graf Reden einmal ein Ochsengespann, im nächsten Jahr Gartenbücher aus England und frische Bohnen. Freiherr vom Stein ließ sich beraten, wie er eine Orangerie bauen solle, wie beheizen. Doch in Buchwald drückten die Einquartierung, ungeheure Lieferungen an Lebensmitteln und Transportpferden an die französische Besatzungsmacht. Es fehlte an Arbeitskräften in der Landwirtschaft. Die Felder konnten nur mit Mühe bestellt werden. Im August 1813 mussten die Redens nach Waldenburg vor feindlichen Truppen fliehen.[30] Die politischen Ereignisse gingen an Buchwald nicht vorbei. Graf von Reden hätte sich bestimmt gern mehr eingeschaltet, aber immer deutlicher zeigte sich sein Lungenleiden. Durch regen Briefwechsel orientierte er sich, oft kamen Besucher. Es erfüllte ihn mit Befriedigung, dass von Breslau König Friedrich Wilhelms „Aufruf an mein Volk" ausging, dass das am 4. März 1813 gestiftete „Eiserne Kreuz", die preußischen Gedenkmünzen für Freiheitskämpfer und Nichtkombattanten sowie das Halskreuz für Frauen, die sich in Dienst der Heimat- und Feldlazarettpflege ausgezeichnet hatten, im von ihm eingeführten Eisenkunstguss produziert wurden, dass man bei der Aktion „Gold gab ich für Eisen" schmale Eisenringe ausgab und bald mit dem Bild Königin Luises schmückte, dass das gegossene Eisen zum Symbol für patriotische Gesinnung wurde und dass „seine" Künstler diese Stücke gestalteten.[31] Stolz war er über die Beteiligung "seiner Schwarzröcke", auch, dass Theodor Körner in Bergmannsuniform zur „Schwarzen Schar", dem Lützowschen Freicorps stieß.[32] Den Jahrestag der Schlacht an der Katzbach ließen die Redens mit einer großen Feierlichkeit am Buchwalder Birkberg begehen.[33] Zum Weihnachtsfest 1814 schickte die Berliner Porzellanmanufaktur eine lebensgroße Büste Graf Redens in Bisquitporzellan,[34] die Karl Friedrich Riese für seinen ehemaligen Chef gemacht hatte. Am 15. Juni 1815 gründete Graf Reden im Schloss zu Buchwald die Buchwalder Bibelgesellschaft und machte seine Frau zur Präsidentin auf Lebenszeit.

 

Am 3. Juli 1815 starb er. Nach seinem Willen wurde er in der Abtei auf Buchwald beigesetzt. Die Gräfin von Reden war 41 Jahre alt und Witwe. Graf Reden vererbte ihr Buchwald.

 

Bald begann die Gräfin, über die Bibelgesellschaft ein Kinderhilfswerk aufzubauen. Im Hungerwinter 1817 richtete sie eine Suppenküche ein. Ihre hervorragenden botanischen Kenntnisse nutzte sie, um Kräuterapotheken zusammenzustellen und arbeitete eng mit den „Laboranten" des Riesengebirges zusammen. Sie experimentierte mit neuen Getreidesorten, züchtete Bäume, Sträucher und Samen und verkaufte sie per Katalog. 1822 erhielt sie ein Diplom als Ehrenmitglied des Vereins zur Förderung der Gartenkultur im preußischen Staat. Sie kümmerte sich um den Flachsanbau, errichtete Garndepots und sorgte für Absatz über die Königliche Seehandlung durch die Ausstattung der Armee oder die Landsitze des Königshauses mit Leinen, baute ein Wirtshaus und wurde Bierverlegerin und erwirkte Beihilfen des Königs für ihre Hilfsprogramme. Buchwald blieb ein gastfreundliches Haus. Gäste kamen aus ganz Europa, oft, um den Redenschen Park zu bewundern, die Aussicht auf das Riesengebirge zu zeichnen und zu malen. Immer häufiger kam König Friedrich Wilhelm IV., den eine enge Freundschaft mit Gräfin von Reden verband.[35]

 

1822 erwarb Prinz Wilhelm von Preußen das Schloss Fischbach, 1824 die Fürstin Luise Radziwill, geb. Prinzessin von Preußen, Ruhberg, 1831 König Friedrich Wilhelm III. das Schloss Erdmannsdorf und 1839 kaufte er für Luise, Prinzessin der Niederlande, Schloss Schildau. Zusammen mit Stonsdorf und Neuhof, die im Besitz der Fürsten Reuß waren, und Buchwald entwickelte sich eine fast zusammenhängende Kolonie des preußischen Königshauses und Hochadels im Hirschberger Tal. Buchwald mit der Gräfin von Reden, die eine Mischung von höchster geistiger Kultur und einer ausgesprochen praktischen Veranlagung auszeichnete, war der Mittelpunkt.

 

1837 kam ihr die Aufgabe zu, als Präsidentin des Comité für die Zillertaler im Hirschberger Tal zu wirken. Sie brachte es fertig, innerhalb kürzester Frist ein Flüchtlingsproblem zu lösen, indem sie 422 Zillertalern, die ihres protestantischen Glaubens wegen in Preußen Zuflucht suchten, im Hirschberger Tal ein Jahr nach ihrer Ankunft eine Schule, eine Kirche, 60 Häuser, in ihrem gewohntem Stil in Holz gebaut, und Land für die 60 Familien verschaffte. Sie nannten die Gräfin liebevoll „Mutter" - Mutter des Hirschberger Tals.

 

1840 wandte sich der König wiederum an Gräfin von Reden. Er hatte auf Anraten von Johann Christian Dahl zum Holzpreis die alte, zum Abbruch freigegebene, vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammende Holzkirche von Vang erworben, die im Gebirge aufgestellt und dem protestantischen Gottesdienst zugeführt werden sollte. Mit der bekannten Mischung aus künstlerischem Sinn und praktischer Veranlagung suchte Gräfin von Reden den Platz für die Kirche aus: Brückenberg, 885 m hoch gelegen, am Fuße der Schneekoppe. Sie regelte die Grundstücksfrage und zeichnete sich verantwortlich für die Aufstellung, Restaurierung und Ausstattung der Kirche und der Schaffung eines kirchlichen Umfelds. Das, was in Brückenberg entstand, war mehr als die Translokation eines Kunstdenkmals. Einerseits wurde alles, was man an altem Material hatte, gewissenhaft genutzt, zum anderen wurde diese Kirche eine vorbildliche Neugestaltung. Vor allem wurde durch Einstellen von Reihen enggefügter Bogenfenster eine befriedigende Beleuchtung der Kirche erreicht, verwitterte Außenportale wurden ins Innere verlegt, um sie zu schützen, eine Apsis wurde angefügt und die Kirche sehr geschmackvoll im Stil der Zeit ausgestattet. Ein Pfarr- und Schulhaus entstand neben der Kirche, einst mit dem höchstgelegenen Rosengarten Deutschlands. Aus dem Holzhaufen wurde bald eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten des Riesengebirges, die Kirche Wang. Die Weihe der Kirche nahm König Friedrich Wilhelm N. am 28. Juli 1844 persönlich vor.

 

Schloss und Park Buchwald hat Gräfin von Reden gewissenhaft gepflegt. Immer war sie bestrebt, das Andenken ihres Mannes zu bewahren.[36]

 

Franz von Winckler, der Reden verehrte, ergriff 1841 die Initiative für ein Redendenkmal. Professor Theodor Kalide wurde beauftragt, das Denkmal zu gestalten. Am 29. August 1853 fand in Gegenwart des Königs die feierliche Enthüllung des Denkmals statt. Der König reiste sofort nach Buchwald, um Gräfin Reden Bericht zu erstatten.[37]

 

Neun Monate später, am 14. Mai 1854, starb Gräfin Friederike von Reden im Alter von 80 Jahren. Sie wurde neben ihrem Mann in der Abtei auf Buchwald beigesetzt. Der König ließ ihr vor der Kirche Wang im Riesengebirge ein Denkmal errichten.

 

 

           

 

LITERATUR     

ADAMS, John Ouincy: Briefe über Schlesien. Geschrieben auf einer in dem Jahre 1800 unternommenen Reise. Aus dem Englischen übersetzt von Friedrich Gotthelf  Friese. Breslau 1805

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FUCHS, Konrad: Zur Entwicklung des Oberschlesischen Steinkohlebergbaus vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. In: Oberschlesisches Jahrbuch, Bd. 3. Dülmen 1987

Ders.: Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752-1815). In: Schlesische Lebensbilder Bd. 6. Schlesier des 15.-20. Jahrhunderts. Sigmaringen, 1990, S. 111-127

GALBAS, P.A.: Friedrich Wilhelm Graf von Reden 1752. 1815. In: Niedersächsische Lebensbilder Bd.7. Hildesheim 1971, S. 195-234

GRUNDMANN, Günther.: Kunstwanderungen im Riesengebirge. Studien aus 50 Jahren 1917-1967. München 1969

Ders.: Erlebter Jahre Widerschein. Von schönen Häusern, guten Freunden und alten Familien. München 1972            

Ders.: Stätten der Erinnerung - Denkmäler erzählen schlesische Geschichte. München 1975

GRÜNHAGEN: Reden, Friedrich Wilhelm Graf v. R. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 27. Leipzig 1888

HARTMANN, Idis B.: Gold gab ich für Eisen. Der schlesische Eisenkunstguss im 19. Jahrhundert. Hannover 1992

Dies.: Schlesisches Eisen. In: Hohenlohe in Oberschlesien. Fürsten - Bauern - Bergleute. Historische und volkskundliche Momentaufnahmen 1782-1945. Stuttgart 1993, S. 37-47

Dies.: Friederike Gräfin von Reden: „Alles kommt von unserm teuren König". In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Bd. 1. 1995/1996. Berlin 2000, S. 181-189

HOFFMANN, Adalbert: Goethe in Breslau und Oberschlesien, o. 0. 1898

KÖLBING, R.: Buchwald, Fischbach und Erdmannsdorf. In: Bunte Bilder aus dem Schlesierlande. Hsg. v. Schlesischer Pestalozzi-Verein. Frankfurt a. M. 1898, S.213-219

KÖNIGSFELD, Ernst: Vier Briefe des Grafen Reden an Matthew Boulton. In: Schlesien 22, 1977, S. 212-221

Ders.: William Wilkinson, ein Mitarbeiter des Grafen Reden. In: Schlesien 29, 1984, S. 18-24

Ders.: John Baildon und die Anfänge von Bergbau und Industrie in Oberschlesien. In: Schlesien, 29, 1984, S. 195-201

Ders.: Klassisches Altertum in Gteiwitzer Eisenkunstguss der Frühzeit. In: Schlesien 35, 1990, S. 185-188

KRAUSE, Walter: Königshütte in seinen Anfängen. In: Der Oberschlesier, Jg 21, 1939. S. 336-341; Die Landschaft des Hirschberger Kessels. Internationales Symposion u.d. Titel „Die Landschaft des Hirschberger Kessels". Lomnitz 4.-5. September 1997. 8d. I, Warschau 1997. Bd. 2, Warschau 1998

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REUSS, Fürstin Eleonore: Friederike Gräfin von Reden - Ein Lebensbild nach Briefen und Tagebüchern. 2. Aufl. Berlin 1897

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SIEBER, Helmut: Schlösser in Schlesien, Frankfurt a.M. 1971

VALLTON, Anna: Friederike Gräfin von Reden. In: Schlesische Lebensbilder. Bd 2. Schlesier des 18. und 19. Jahrhunderts. Breslau 1926

VIETH, Kurt: Geschichte der Industrie in Hindenburg OS. In: Der Oberschlesier. Jg. 21, 1939, S. 448-454

VÖLKEL, Oswald: Geschichte der Industrie im Gleiwitzer Raum. In: Der Oberschlesier. Jg.2l, 1939, S.442-447

WEBER, Wolfgang: Englisches Vorbild? - F.O.B. von Reden: Gedanken... In: Das preußische England. Berichte über die industriellen und sozialen Zustände in Oberschlesien zwischen 1780 und 1876. - Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund. Bd. 10, Wiesbaden 1993

WENDE, G.: Die Einwanderung der Zillerthaler. In: Bunte Bilder aus dem Schlesierlande. Frankfurt a.M. 1898, S. 220-224

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WIESE, Erich: Biedermeierreise durch Schlesien. Darmstadt 1966

WUTKE, Konrad: Aus der Vergangenheit des schlesischen Berg- und Hüttenlebens. Ein Beitrag zur preußischen Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte des 18./19. Jahrhunderts. Breslau 1913

 

 

 

Aus:

Das Tal der Schlösser und Gärten

Das Hirschberger Tal in Schlesien – ein gemeinsames Kulturerbe

Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch, Berlin

2001


 

[1] Konrad WUTKE: Aus der Vergangenheit des schlesischen Berg- und Hüttenlebens. Breslau 1913, S. 112 f.

 

[2] A. GALBAS: Niedersächsische Lebensbilder VII. Hitdesheim 1971, S. 199

 

[3] WUTKE, a.a.O., S. 115

[4] Damals üblicher Ausdruck für Dampfmaschine

[5] WUTKE, a.a.O., S. 112 f.

[6] Ernst KOENIGSFELD: Vier Briefe des Grafen Reden an Matthew Bolton. Schlesien,  1977, Jg. 22, H.4, S. 212-221

 

[7] Goethes Leben in seinen Briefen. München o.J., Bd. 2, S. 12: An Herder. Breslau 11.9.1790

 

[8] Günther GRUNDMANN: Kunstwanderungen im Riesengebirge. Studien aus 50 Jahren 1917-1967. München 1969, S. 164

[9] John Ouicy ADAMS: Briefe. Breslau 1805, S. 150

[10] WUTKE. a.a.O., S. 153: „Aber es ist eben das eigenthümliche einer wahren Geschmacksschöpfung, dass man nich über sie hinausgehen darf und muss, um ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. In Buchwald ist keine Linie, gewiss keine Hauptlinie gezogen, die nicht nach allen Gesetzen der Schönheit liefe, keine Partie gezeichnet, die nicht ihre Rechtfertigung in ihrem unfehlbaren Effekt fände, kein einzelner teil geordnet, der nicht in die Harmonie des Ganzen stimmte. Dabei waltet allenthalben der edle Grundsatz vor, dass auf einem Theater, wie das, welches die Natur dort aufstellte, ein geschicktes Wegräumen der Hindernisse das erste, eigener Zusatz, auch des Ideenreichsten und Geschmackvollsten Kopfes nur das zweite seyn sollte. Dabei ist alles, was bloße Menschenkunst liefern musste, die Architektur im weitesten Umfange, in einem Style gearbeitet, dessen Correktheit und Würde gewiss jeden Kunstkenner befriedigen wird." Gentz an Reden 22.8.97

[11] REUSS, S. 338: „De selige minister hatte köstliche Steine."

 

[12] Eva SCHMIDT: Der preußische Eisenkunstguss. Technik. Geschichte. Werke. Künstler. Berlin 1981

[13] Idis B. HARTMANN: Friederike von Reden: "Alles kommt von unserem teuren König". In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, DB I 1995/96, Berlin 2000, S. 181-189

[14] Eleonore Fürstin REUSS: Friederike Gräfin von Reden. Ein Lebensbild, 2. Aufl., Berlin 1897, S. 9

[15] REUSS, a.a.O., S. 34: Stonsdorf, in dem schönen Hirschberger Thal gelegen, ist nur eine Meile von Buchwald entfernt, wo Graf Reden, der Besitzer, sowohl eine Musterlandwirtschaft, als auch die schönsten Parkantagen geschaffen hatte, den Vorbildern nach, die er in England hatte bewundern lernen. Er nutzte mit seinem Gefühl die wunderschöne Lage von Buchwald, pflanzte, lichtete, errichtete Gartenhäuser und Ruhesitze und schuf mit der Zeit etwas wirklich Vollendetes. Dennoch war dies nur das Werk seiner Mußezeiten...

 

[16] REUSS, a.a.O., S. 35

[17] REUSS, a.a.O., S. 36

[18] REUSS, a.a.O., S. 37

[19] WUTKE, a.a.O., S. 158 f.

[20] REUSS, a.a.O., S. 60 f.

[21] REUSS, a.a.O., S.68ff.

[22] REUSS, a.a.O., S. 84: „Dabei haben sie eine Menge hübscher Kunstsachen aller Art.", S. 78: „...wo ich schöne Kupfer sah, ein englisches Werk über Garten- und Güterverschönerung, auch Wiener Porzellan, welches Graf Reden zu Modellen kommen ließ.", S. 80: „Wir waren zum Diner bei Graf Reden. Wir aßen sehr gut und das Plateau war eines Bergmanns würdig. Es bestand aus lauter Obelisken und Schalen aus Marmor und Achat..."

[23] Vgl. kolorierte Lithographie von Carl Mattis, Schmiedeberg um 1820: Ansicht der Schneekoppe aus dem Pavillon aus Buchwald"

[24] REUSS, a.a.O., 5. 86: Rechts und links waren Zimmer angebaut mit Büchern, astronomischen Apparaten und Büsten versehen und im Geschmack der Zeit möbliert. In kleinen Schränken befanden sich Teeservice und an der Rückseite eine kleine Küche. Man nahm hier den Tee.

[25] Eva SCHMIDT: Eisenkunstguß, a.a.0., S. 46 ff.

[26]Der Begehr des Publikums nach hiesigen Gußwaren zeigt sich schon jetzt."

[27] REUSS, a.a.O., S. 125

[28] REUSS, a.a.O., S. 134 f.

[29] WUTKE, a.a.O., S. 628

[30] WUTKE, a.a.O., S. 629: „Wir hatten Einquartierung, es geschah viel Uebles."

[31] Idis B. HARTMANN: Gold gab ich für Eisen. Der schlesische Eisenkunstguss im 19. Jahrhundert. Hannover 1992, S. 9 f.

[32] WUTKE, a.a.O., S. 606 f. Theodor Körner hatte anlässlich eines Besuchs in Buchwald ein hübsches Gedicht geschrieben, das mit den Versen endete: "Denn wo die Kunst sich zur Natur gestattet / Da wird des Lebens schönste Pracht entfaltet."

[33] REUSS, a.a.O., S. 150

[34] REUSS, a.a.O., S. 152

[35] Idis B. HARTMANN: Friederike Gräfin von Reden: „Alles kommt von unserm teuren König". In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Bd. 1. 1995/1996. Bertin 2000, S. 181-189

[36]  WUTKE, a.a.O., S. 637 f. So unterstützte sie den Vorschlag des schlesischen Oberberghauptmanns Gerhard, des Nachfolgers Redens im Amt, ein Denkmal des Grafen von Reden aus Gusseisen zu setzen. Man einigte sich auf einen Platz in der Nähe von Altwasser bei dem Fuchsstollen. Friedrich August Schinkel wurde um einen Entwurf  gebeten. Gräfin Reden dagegen schlug vor, man solle ein Monument aus Eisenguss errichten an der Stelle in Tarnowitz, wo ihrem Mann am 16. Juli 1784 der erste Stufferzanbruch entgegengetragen wurde. Das Denkmal sollte Prof. Raabe gestalten. Aber dieser lieferte ebenfalls keinen Entwurf, obwohl Gerhard mehrmals mahnte. Zwischenzeitlich war eine lebensgroße Büste Redens in der Gleiwitzer Gießerei angefertigt worden. Inspektor Martini hatte diese auf der Friedrichshütte aufstellen lassen. 1818 wurde beschlossen, beim Fuchsstollen einen Obelisken zu errichten. Zeit verging, ein Redendenkmal wurde nicht gesetzt obwohl mehrfach Gelände erworben und Künstler beauftragt wurden.    

 

[37] Günther GRUNDMANN: Stätten der Erinnerung, München 1975, S. 205 f.